Ausnahmen bestätigen die Regel...

 

Im Mai 2006 zur gleichen Zeit in Brisbane, Childers und Maryborough suchen fünf Backpacker nach Arbeit. Während Francois und Marie in Queenslands Hauptstadt 90$ bei einer Jobagentur lassen, um in Childers einen garantierten Job zu kriegen, ist Alex schon vor Ort und wird zum Caravanpark am Ende der Kleinstadt vermittelt. Linda und Björn dagegen erfahren von dieser Campingplatz- Jobvermittlung zufällig von einem Automechaniker in Maryborough.

Unabhängig voneinander machen sich alle auf den Weg und werden unabhängig voneinander einem Job auf einer Paprikafarm zugewiesen, aber erst, nachdem jeder 30$ Workdeposit hinterlegt hat, die er erst nach 3 Wochen Aufenthalt zurückkriegen sollte. Gefangen für 3 Wochen, denn auch die Reisepässe werden aus dubiosen Gründen einbehalten. Und im Gegensatz zu einem herkömmlichen Gefängnis zahlen alle für eine Woche Unterkunft noch mal einen deftigen Preis, besonders Alex, der zwar seinen eigenen Van hat, aber dort nicht schlafen durfte, weil angeblich sämtliche Stellplätze belegt seien. So musste er ein Zimmer für 50$ mehr die Woche mieten (tatsächlich war der halbe „Gefangenenpark“ leer!).

Am darauffolgenden Morgen wurden sie mit den anderen Häftlingen im Bus zur Arbeit gefahren. Zu den brüllenden Supervisoren auf dem Feld fehlte eigentlich nur noch die Kugel am Bein, die ihnen aber „netterweise“ erspart blieb.

Nach sieben Stunden Akkord- Paprikapflücken sammelte der Bus die zum Rebellieren zu müden Zwangsarbeiter wieder ein, damit diese ihre schmerzenden Rücken und wunden Knie verarzten konnten.

So ging es Tag um Tag, nicht ohne dass alle fünf den „Gefängnisaufseher“ immer wieder nach einem neuen Job anbettelten. Aber anscheinend hatten sie eine ziemlich schlimme Tat begangen, so dass sie weiterhin mit den Paprikas gequält wurden. Denn angeblich bestraft der liebe Gott ja schon kleine Sünden sofort...Einige Neuankömmlinge dagegen wurden gleich einfacheren Arbeiten zugeteilt.

Nach einer Woche hatte sich genug Aggression aufgebaut, so dass die fünf sich zusammentaten, um dem Verderben zu entkommen. Mit vereinten Kräften forderten sie zuerst ihre Reisepässe zurück, ohne Erfolg! Mit vereinten Kräften versuchten sie zu fliehen, ohne Erfolg! Erst als sie eine saftige Kaution hinterlegten und versprachen, sofort das „Gefangenenlager“ zu verlassen, konnten sie die ersehnten Schritte in die Freiheit machen...

PS: Kleine Anekdote, die beweist, dass es selbst in Australien, dem Land der freundlichen und herzenswarmen Menschen, schwarze Schafe gibt! Auch wenn dies die erste und hoffentlich auch letzte schlechte Erfahrung dieser Art war! Und selbst der „Lonely Planet“, die Bibel der Backpacker, hat die Mitarbeiter dieses Caravanparks schon als „unfriendly and rude“ bezeichnet!

Watch yourself and take care!

 

Linda Duschinski

Es geht aber auch anders...

 

Geprägt von den „Gefängniserinnerungen“ versuchten die Ex- „Häftlinge“ ihre wiedergewonnene Freiheit trotz eines bitteren Nachgeschmacks auf der Zunge zu genießen. Voller Hoffnung wieder auf freundliche und herzenswarme Menschen zu treffen, machten sich die fünf auf den Weg nach Gayndah, um dort erneut ihre Dienste auf einer Farm anzubieten.

Gemeinsam checkten sie im Riverview- Caravanpark ein und gemeinsam bekamen sie einen Job auf einer Mandarinen- Plantage, ohne dass sie ein Workdeposit hinterlegen oder ihre Reisepässe abliefern mussten.

Freiheit schmeckt so gut, unter anderem auch, weil der Aufenthalt gerade einen Bruchteil des Preises der „Gefängnismiete“ ausmachte.

Am darauffolgenden Morgen fuhren alle entspannt zur Arbeit. Sie pflückten Baum für Baum und füllten Kiste für Kiste mit Mandarinen, als ihnen auffiel, dass irgend etwas „fehlte“...

Es gab keine brüllenden Supervisor auf dem Feld, keine imaginären Kugeln am Bein und nach erledigter Arbeit mussten keine geschundenen Körperteile gepflegt werden.

So begaben sich die fünf Morgen für Morgen mit einem gelassenen Gefühl im Bauch auf die Plantage und Abend für Abend mit einem gelassenen Gefühl im Bauch zurück „nach Hause“ auf den Caravan Park!

Und es verging kein Tag, an dem sich Stacey und Dave, die Campingplatz- Mutter und der Campingplatz- Vater,  nicht nach dem Befinden ihrer Gäste erkundigten und auch schon mal ihre im Garten angebauten Kräuter verschenkten.

So hatte sich nach einer Woche so viel Zufriedenheit breitgemacht, dass die fünf freiwillig (!) beschlossen, noch eine zeitlang an diesem herzlichen Ort zu verweilen...

PS: Kleine Anekdote, die bestätigt, dass Australien das Land der freundlichen und herzenswarmen Menschen ist und bleibt, auch wenn einem ab und zu ein schwarzes Schaf über den Weg läuft...

Turn your face to the sunny side of life!

 

Linda Duschinski