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Great Ocean Road

Heute versucht Florian Kuhlmey, unseren Reisemuffel Bernhard Bleibzuhaus zu einer Reise entlang der ca. 300 km langen Great Ocean Road zu bewegen.

Bernhard: Warum sollte ich denn ausgerechnet zur Great Ocean Road fahren?

Florian: Die Great Ocean Road bietet so ziemlich alles, was man sich als Australienreisender wünscht. Angefangen von langen Sandstränden, die zum Schwimmen und Surfen einladen, über faszinierende Steilklippen mit spektakulären Ausblicken bis hin zu großen Eukalyptuswäldern, in denen dutzende Koalas in den Bäumen hängen. Selbst ein Stück begehbarerer Regenwald befindet sich an der wohl berühmtesten Straße Australiens.

Bernhard: Wie komme ich denn überhaupt dorthin?

Florian: Mit dem Auto verlässt man Melbourne in südwestlicher Richtung über den Princess Freeway. Folgen Sie einfach den Schildern nach Geelong. Von Geelong aus sind es dann nur noch wenige Minuten bis nach Torquay, dem offiziellen Beginn der Great Ocean Road. Insgesamt dauert die Fahrt von Melbourne bis nach Torquay etwa eine Stunde. Wer aus dem südöstlichen Teil Victorias kommt (z. B. Phillip Island) und Melbourne umfahren möchte, für den gibt es eine Alternativroute über die Mornington Peninsula. Hier fährt man über den Mornington Peninsula Freeway und die B110 bis Sorrento. Von dort aus verkehrt stündlich eine Autofähre nach Queenscliff. Die Schiffsfahrt dauert ca. 40 Minuten und kostet für zwei Personen mit Auto 59,00 Dollar. Von Queenscliff sind es dann noch etwa 15 Minuten Fahrt bis zur Great Ocean Road.

Bernhard: Was gibt es denn da nun genau zu sehen?

Florian: Auf der Great Ocean Road gibt es so ziemlich alles zu sehen, was das Touristenherz begehrt. Alle Sehenswürdigkeiten im Einzelnen aufzuführen, würde an dieser Stelle sicherlich den Rahmen sprengen. Insofern werde ich mich im Folgenden auf die Highlights der etwa 300 km langen Straße beschränken. Vorweg aber noch zwei allgemeine Tipps: Erstens bereits in Torquay gibt es eine gut bestückte und kaum zu übersehende Visitor Information, bei der Sie sich mit allen möglichen Broschüren über die Great Ocean Road eindecken können. Zweitens nehmen Sie sich ruhig Zeit für die Great Ocean Road und halten Sie des Öfteren auch mal bei kleineren „Lookouts" oder Stränden an. Es lohnt sich!

Bernhard: Ja, ja! Aber was gibt es denn nun zu sehen?

Florian: Die Great Ocean Road selbst lässt sich in zwei Teilabschnitte einteilen, die Surf Coast und die Shipwreck Coast, welche durch das Cape Otway voneinander getrennt werden. Von beiden Küstenabschnitten ist die Surfcoast eher der ruhige mit zahlreichen Schwimm- und Surfmöglichkeiten und die Shipwreck Coast eher der raue mit Steilklippen und spektakulären Ausblicken. Von Melbourne kommend beginnt man seine Fahrt in Torquay, der ersten Stadt an der Surf Coast. Torquay selbst hat sich auch ganz und gar diesem australischen Volkssport verschrieben. Hier findet man einfach alles, was das Surferherz höher schlagen lässt: ein Surfmuseum, eine eigene Shopping Mall nur für Surfbedarf und schließlich den legendären Bells Beach, an dem jedes Jahr zu Ostern die World Championships des Surfens ausgetragen werden. Selbst für ungeübte Wellenreiter besteht die Möglichkeit, an einem von Torquays Stadtstränden in einem Eintageskurs die Grundlagen des Surfens zu erlernen. Hinter Torquay und Bells Beach verläuft die Great Ocean Road eher unspektakulär im Landesinneren bis Anglesea. Unspektakulär ist wohl auch das Wort, was Anglesea am besten beschreibt. Lediglich die auf dem örtlichen Golfplatz grasenden Kängurus könnten einen Stopp wert sein. Immerhin beginnt direkt hinter Anglesea der wirklich schöne Teil der Surf Coast. Von jetzt an verläuft die Great Ocean Road fast durchgängig direkt entlang der Küste. Einsame Sandstrände und tolle Aussichtspunkte wechseln sich ab an der kurvigen Straße, die Sie nun immer wieder auf und ab führt. Besonders hervorzuheben ist auf diesem Teilstück sicherlich der Split Point Leuchtturm (Lighthouse) in Aireys Inlet. In seinem strahlenden weiß stellt nicht nur der Leuchtturm selbst ein schönes Fotomotiv dar, auch seine Umgebung bietet weitreichende Ausblicke zu beiden Seiten der Surf Coast. Nach einigen weiteren Windungen erreicht die Great Ocean Road schließlich den beliebten Urlaubsort Lorne. Vollkommen auf Tourismus abgestellt befinden sich in dem Ort erneut ein Visitor Centre sowie zahlreiche Souvenirläden und Restaurants für die spendablen Gäste der Stadt. Der Weg von Lorne bis Apollo Bay, der nächsten größeren Stadt, ist weiterhin bestimmt durch das Wechselspiel von Stränden und Aussichtpunkten. Dazwischen fährt man jedoch kurzzeitig durch einen kleinen Eukalyptuswald, der Teil des hinter der Great Ocean Road gelegenen Great Otway National Parks ist. Halten Sie auch hier einmal an und gehen Sie auf die Suche nach Koalabären in den Wipfeln der Bäume. Sie werden garantiert fündig werden! Später erreichen Sie dann Apollo Bay, die wahrscheinlich schönste Stadt der Great Ocean Road. Obwohl sie ähnlich groß ist wie Lorne, erstreckt sich die Stadt über eine größere Fläche und wirkt dementsprechend weniger überfüllt. Nehmen Sie sich an dieser Stelle etwas Zeit und kehren Sie in eins der zahlreichen Fischrestaurants ein. Oder holen Sie sich einfach eine der riesigen Packungen Fish & Chips zum Mitnehmen und begeben sich damit zum nahegelegenen Strand. Spätestens an dieser Stelle sollte sich bei Ihnen ein entspannendes Urlaubsgefühl einstellen.

Bernhard: Gut, ich bin entspannt! Aber durch den Regenwald würde ich trotzdem gern noch mal gehen.

Florian: Unmittelbar hinter Apollo Bay verlassen Sie dann die Surf Coast. Jetzt führt Sie die Great Ocean Road hinein in den Great Otway National Park. Dieser besteht zu einem großen Teil aus den für Australien so typischen Eukalyptuswäldern. Dessen ungeachtet hat sich an einer Stelle namens Maits Rest ein kleiner Teil Regenwald erhalten. Steigen Sie hier ruhig einmal aus und laufen Sie über den ca. 45-minütigen gut ausgebauten Rundweg durch den Regenwald. Nach der langen Fahrt entlang der Küste fühlt man sich nun regelrecht in eine andere Welt versetzt. Von der Great Ocean Road zweigt bald darauf eine Straße zum Cape Otway Leuchtturm (Lightstation) ab. Dieser ist nach den Twelve Apostles das wohl am häufigsten fotografierte Motiv der Great Ocean Road. Anders als bei den zwölf Aposteln muss man für das Begehen des Leuchtturms und seiner Umgebung jedoch einen relativ hohen Eintrittspreis bezahlen. Darüber sollte man sich im Klaren sein, wenn man diesen Abstecher von der Great Ocean Road macht.

Bernhard: Und danach beginnt dann die Shipwreck Coast, ja?

Florian: Zurück auf der Great Ocean Road verschwindet die Straße im Folgenden für lange Zeit im Landesinneren. Erst bei Princetown erreicht sie wieder die Küste, diesmal die so genannte Shipwreck Coast. Bereits beim ersten Lookout wird einem klar, warum die Küste diesen Namen trägt. Meterhohe Wellen peitschen unaufhörlich gegen die emporragenden Kalksteinfelsen. Es braucht keiner großen Vorstellungskraft, um zu verstehen, warum diese gefährliche Brandung in der Vergangenheit dutzenden von Schiffen zum Verhängnis wurde. Gleichzeitig schuf die Brandung aber auch jenes wunderschöne Szenario, was sich dem heutigen Besucher bietet. Überall hat sich das unnachgiebige Salzwasser in den Kalkstein gefressen und teilweise sogar durch ihn hindurch. entstanden sind daraus einzigartige Kalksteinskulpturen mit so vielsagenden Namen wie The Arch, The Grotto, The London Bridge oder eben die weltberühmten Twelve Apostles (von denen allerdings nur noch sieben stehen). Entlang dieses Küstenabschnitts sollten Sie lieber einen Stopp zu viel als zu wenig einlegen. Es gibt einfach so viel zu sehen! Jeder der hervorragend ausgebauten Aussichtspunkte eröffnet eine neue atemberaubende Perspektive auf die zerklüftete Steilküste. Bei den Twelve Apostles hat man zudem die Möglichkeit, zumindest einen der Apostel von unten aus zu betrachten. Halten Sie einfach kurz vor dem offiziellen Twelve-Apostles-Lookout bei den Gibson Steps an. Eine schmale Treppe führt von hieraus hinunter zum Meer. Aber Vorsicht! Wagen Sie sich nicht zu weit zu dem Apostel vor. Die Brandung ist nach wie vor gefährlich. Wieder auf der Straße erstreckt sich dieses faszinierende Panorama noch bis kurz hinter Peterborough. Auf Ihrem Weg passieren Sie dann den kleinen Urlaubsort Port Campbell, der, ganz untypisch für die Shipwreck Coast, über einen Badestrand in einer geschützten Bucht verfügt. Ansonsten ist auch dieser Ort eher unspektakulär und kann getrost umfahren werden. Nach den Bay of Islands direkt hinter Peterborough entfernt sich die Great Ocean Road wieder von der Küste. Von jetzt an mutet sie eher wie eine normale australische Landstraße an. Folgen Sie ihr deshalb ohne weiteren Stopp bis nach Warrnambool. Warrnambool ist die mit Abstand größte Stadt der Region. Sollte Ihnen auf Ihrem Weg über die Great Ocean Road irgendetwas kaputt- oder ausgegangen sein, hier bekommen Sie auf jeden Fall in einem der großen Einkaufszentren Ersatz. Darüber hinaus verfügt Warrnambool mit seinem Flagstaff Hill über ein hervorragendes Museum, das zweierlei tut. Zum einen vermittelt eine gut inszenierte Dauerausstellung dem Besucher einen faszinierenden und zugleich erschreckenden Einblick in die zahlreichen Schiffsunglücke an der Shipwreck Coast. Zum anderen gewährt es dem Besucher einen authentischen Einblick in die Lebensumstände in einem australischen Küstendorf in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ähnlich wie in Sovereign Hill in Ballarat hat man hier ein solches Dorf detailgetreu nachgebaut. Ebenfalls wie in Sovereign Hill wird auch in Flagstaff Hill allabendlich eine Sound & Laser-Show („Shipwrecked") vorgeführt, welche für Fans dieses Mediums interessant sein könnte (siehe hierzu den Artikel über Ballarat).

Bernhard: Und was kommt hinter Warrnambool?

Florian: Mit Warrnambool endet die Great Ocean Road offiziell. Sie können jetzt in zwei Richtungen weiterfahren. Entweder nehmen Sie die A1 (Princess Highway) zurück nach Geelong und von dort aus nach Melbourne. Oder Sie entscheiden sich für die entgegengesetzte Richtung der A1 nach Portland. Sollten Sie die letzte Variante gewählt haben, so stoßen Sie schon bald auf eine Abfahrt zum Tower Hill Reserve. Bei diesem handelt es sich um den Krater eines längst erloschenen Vulkans. Mittlerweile ist das Innere des Kraters vollkommen bewaldet und bietet zahlreichen einheimischen Tierarten ein Zuhause. Dies beinhaltet z. B. Emus und Koalas aber auch einige Spinnen- und Schlangenarten. Naturgemäß ist mit dem Auftreten solcher Tierarten eine gewisse Gefahr für den Menschen verbunden, der Sie sich beim Wandern durch das Reserve bewusst sein sollten. Ist Ihnen diese Gefahr zu groß, dann fahren Sie lieber gleich weiter nach Port Fairy. Port Fairy ist eine kleine Stadt mit vielen Übernachtungsmöglichkeiten und Geschäften in der Innenstadt. Mehr aber auch nicht! Der nächste größere Ort ist dann bereits Portland, die älteste Stadt Victorias. Von hier aus können Sie auf kleineren Straßen bis zum Cape Nelson und zum Cape Bridgewater gelangen, wo sich Ihnen zum Abschluss noch einmal ein schöner Ausblick auf die ganze Küste bietet. Vor Cape Bridgewater befindet sich sogar eine Seehundkolonie, die Sie vom Aussichtspunkt Stoney Hill aus betrachten können. Zurück in Portland stehen Ihnen erneut zwei Möglichkeiten offen. Entweder Sie fahren über den Princess Highway (A1) bis Heywood und von dort aus über den Hunter Highway nach Hamilton und dann wieder zurück nach Melbourne (z. B. über Ballarat). Oder Sie folgen ab Heywood weiter dem Princess Highway nach South Australia. Wenn Sie früh starten und durchfahren, sollten Sie es auf diesem Weg innerhalb eines Tages von Portland bis Adelaide schaffen.

Bernhard: Und was kostet mich der ganze Spaß?

Florian: Das Gute an der Great Ocean Road ist, dass man prinzipiell keine Eintrittsgelder zahlen muss. Anders als im übrigen Land haben die Australier die Great Ocean Road und ihre Umgebung nicht eingezäunt, als „National Park" oder „Conservation Centre" deklariert und verlangen nun überhöhte Eintrittspreise. Diese berühmteste Straße Australiens bleibt weiterhin für jedermann frei zugänglich. Lediglich für das Betreten des Areals um die Cape Otway Lightstation muss man den Betrag von 11,50 (9,50) Dollar zahlen. Die hinter Cape Otway folgenden Twelve Apostles kann man auch aus der Luft betrachten. Ein Rundflug mit dem Hubschrauber, der von verschiedenen Orten aus angeboten wird (u. a. direkt bei den Aposteln), kostet etwa 80 Dollar und mehr. Auch der Besuch des Flagstaff Hill Museums ist nicht umsonst. Der Eintritt hier beträgt 15,50 (12,00) Dollar. Für die abendliche Show „Shipwrecked" zahlen Sie 25,00 (22,00) Dollar. Daneben fallen natürlich noch die üblichen Kosten für Übernachtung, Verpflegung und Benzin an. Seien Sie an dieser Stelle gewarnt. Die Bewohner entlang der Great Ocean Road wissen um die Beliebtheit ihrer Straße und Sie wissen auch, dass Sie etwa auf der Mitte der Strecke gar keine andere Wahl haben, als in den dortigen Ortschaften einzukaufen und zu tanken. Dementsprechend teuer kann dann auch der Einkauf von Lebensmitteln oder Benzin werden. In Orten wie Port Campbell ist etwa der doppelte bis dreifache Preis für eine Flasche Wasser keine Seltenheit. Für einen Liter Benzin zahlen Sie auch schon einmal zwanzig Cent mehr als normal. Wenn Ihnen das zu teuer ist, dann decken Sie sich lieber vor Beginn der Great Ocean Road mit ausreichend Lebensmitteln und Benzin ein. Was ebenfalls teuer werden könnte ist das Telefonieren. Selbst wenn Sie über ein Mobiltelefon mit australischer SIM-Card verfügen, ist nicht unbedingt garantiert, dass Sie überall auf der Great Ocean Road Empfang haben. In diesem Fall müssten Sie entweder von einer Telefonzelle aus anrufen oder Sie genießen einfach einmal den Luxus, nicht erreichbar zu sein.

Bernhard: Muss ich da etwa noch übernachten?

Florian: Man muss nicht zwangsläufig an der Great Ocean Road übernachten. Es gibt z. B. auch Ausflüge von Melbourne aus (ca. 120,00 Dollar), die einem innerhalb eines Tages zu allen Highlights der Great Ocean Road führen und wieder zurück nach Melbourne. Dies ist sicherlich eine gute Variante für all jene mit wenig Zeit und/oder keinem eigenen Pkw. Alle anderen sollten sich jedoch etwas mehr Zeit nehmen für diese beeindruckende Straße. Etwa drei Tage sind hier ein angemessener Zeitraum, wobei man natürlich immer länger bleiben kann, wenn man z. B. Wanderungen in das so genannte „Hinterland" der Great Ocean Road unternehmen möchte oder schlichtweg von den tollen Wellen an der Surf Coast nicht genug bekommen kann. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es jedenfalls in ausreichender Zahl und in allen Preiskategorien. Gerade die Freunde des Campings werden an der Great Ocean Road überall fündig werden. So ist etwa die renommierte Top Tourist Parks Gruppe in fast jedem Ort vertreten und bietet mit Preisen ab 22,00 Dollar pro Nacht eine recht günstige Alternative zu den eher traditionellen Pensionen.

Bernhard: Na gut, hört sich ja ganz akzeptabel an.

Florian: Die Great Ocean Road ist auf jeden Fall ein unvergessliches Erlebnis für jeden Australienreisenden. Nur eine Stunde von Melbourne entfernt vereint die Great Ocean Road so ziemlich alle Highlights, welche das Land zu bieten hat.

Florian Kuhlmey