Reisebericht vom Tag 05: Cocklebiddy, Bordervillage, Cactus Beach

 

Reisebericht vom Tag 05: Cocklebiddy, Bordervillage, Cactus Beach 


Great Australian Bight Marine Park

Die vierte Nacht im Auto, oder besser gesagt auf den Vordersitzen mit der Getriebekonsole an einer ungünstigen Stelle, hat mir doch ziemlich zugesetzt. Die Schlafintervalle werden immer kürzer und die Schlafpausen mitten in der Nacht immer länger. Befürchte mittlerweile schon, dass meine Hüfte nach 10 Nächten in einem 90° Winkel verharren wird und mir einen aufrechten Gang in Zukunft unmöglichen machen wird.

Ich war somit ganz glücklich, als Yvonne mit den ersten Sonnenstrahlen aufwachte und mir anbot, die ersten Kilometer zu fahren, damit ich es mir auf der Rücksitzbank noch etwas bequem machen konnte. Das war mal ne Abwechslung: Gerader Rücken und Hüfte, dafür aber angewinkelte Beine. Ich hatte somit etwas Entspannung und Yvonne ihren Spaß. Sie ist wahrscheinlich bis heute der Überzeugung ich hätte es nicht mitbekommen, dass sie in einem ziemlichen Tempo über den Highway gerauscht ist. "Pedal to the Medal" sag ich da nur. Kaum saß sie am Steuer und wurde nicht beobachtet, waren die Grundsätze ökonomischen Autofahrens über Bord geworfen. Aber was solls: Der Highway meilenweit einsehbar und kein Mensch unterwegs. Woran soll man den sonst merken dass man am Leben ist. Eigentlich beneide ich sie ja nur :)

Frühstückspause & Fahrerwechsel haben wir dann kurz vor der Grenze zu South Australia gemacht (Spätestens da war mir klar, dass sie einen Bleifuss gehabt haben musste: 260km in 2h). Obwohl wir unsere Essenvorräte ordentlich eingeteilt hatten, in der Hoffnung wir müssten bis Melbourne nicht einkaufen gehen, haben wir heute Morgen vollends über die Stränge geschlagen: Jeder bekam 2 Äpfel in sein Müsli!! So mancher mag uns jetzt vielleicht für durchgeknallte Yuppies halten, aber dieser Luxus hatte an diesem Morgen seine Berechtigung. Eine Informationstafel neben unserem Auto machte uns darauf aufmerksam, dass es nicht erlaubt sei, Obst nach SA einzuführen, wegen Fruchtfliegen oder so ähnlich. Wir müssten Obst vorher aufessen oder am Kontrollpunkt entsorgen.

Der Kontrollpunkt befindet sich übrigens mitten in SA!! Sehr sinnvoll wie ich finde. Jetzt will auch nicht darauf rumreiten, dass es eine Fruchtfliege höchstwahrscheinlich auch nicht interessiert hätte, wenn wir das Obst bereits am "Letzten Mülleimer vor der Grenze" entsorgt hätten. "Ne, über diese Grenze da darf ich nicht fliegen, dann tue ich das auch nicht", oder wie soll ich mir das vorstellen? Da die Informationstafel uns aber im selben Atemzug mit empfindlichen Strafen bei einem Verstoss drohte (Visaentzug, Einreiseverbot SA auf Lebenszeit oder sowas ähnliches) und wir ordnungsbewusste Deutsche sind, haben wir dann in den sauren Apfel gebissen (ha ha), die Apfeltration verdoppelt und den Rest weggeschmissen.

Wäre dankbar gewesen, wenn mir das vorher einmal jemand gesagt hätte. Aber denkste Puppe. "Hey Mate, sag mal, wir fahren morgen nach Melbourne. Irgendwelche Tipps oder Besonderheiten die es zu beachten gibt?" - "In Australien ist Linksverkehr" - "Ah ja? Na dann vielen Dank auch!" - "No worries, catch ya later!"

Die ersten Highway Kilomerter in SA führen uns entlang des "Great AUstralian Bight Marine Park". Über knapp 200km hatten wir das Gefühl, quasi direkt am Stand entlang zu fahren - taumhaft!! Alle paar Minuten kommt man an einem Scenic Lookout vorbei. Zwei oder drei davon sollte man auf jeden Fall mitnehmen. Mehr aber nicht unbedingt, da der Ausblick bei allen gleich atemberaubend ist und sich auch kaum ändert.

Das nächste Etappenziel war dann der berühmte "Cactus Beach". Eine ca. 20km lange extreme Schotterstraße führte uns vom Highway A1 zu diesem wirklich netten Punkt. Wir brauchten ca. 30 Minuten für diese Strecke, bei welcher wir in jeder Sekunde befürchteten, dass unser Auto gleich auseinander fällt, obwohl wir nicht viel schneller als Schrittgeschwindigkeit fuhren. Wir fuhren zwischen riesigen Sanddünen hindurch und über eine Straße, die von zwei Seen mit unterschiedlicher Wasserfärbung begrenzt wurden (der Linke war normal blau aber der Rechte hatten einen unverkennbaren Hang ins Violette).

Am "Cactus Beach" angekommen mussten wir leider feststellen, dass sich dieser Ort nicht unbedingt gut zum Wildcampen eignet. Also kurz den Augenblick genossen und wieder zurück. Wir suchten uns eine kleine Seitenstraße, in der wir das Auto geschützt vor Blicken abstellen konnten, und kochten auf unserem Gaskocher ein 3 Gänge Menü. Übernachtet haben wir dann aber doch nicht an dieser Stelle, da ein anderes Auto in Sichtweite stehen blieb. Um einer erneuten Begegnung mit dem Schlächter oder einfach nur unangenehmen Fragen aus dem Weg zu gehen, sind wir dann ein paar Seitenstraßen weiter gefahren (sicherlich einer der Vorteile wenn man im Auto übernachtet: Zündung starten und schon sind wir wieder weg).

 

 

Bilder vom Tag 05: Cocklebiddy, Border Village, Cactus Beach