Reisebericht vom Tag 03: Cape Richie, Esperance, Cape Le Grand
 Küstenstreifen in Esperance
Den nächsten Morgen wurden wir dann endlich mal mit Sonnenstrahlen geweckt. Und bei einem solchen Ausblick macht das Aufwachen und Frühstücken auch richtig Spaß. Die Bilder die wir von diesem wunderschönen Fleckchen Erde gemacht haben zeigen leider nicht, wie steil und tief es eigentlich bergab ging. Schon ein bisschen gefährlich, wenn man nachts betrunken aus dem Auto taumelt, um im Sturm und Regen einen geeigneten Platz für die Notdurft zu finden…
Die Sonne kitzelte uns also förmlich aus unseren Träumen. Kein entrinnen, kein nochmal umdrehen. Die Bettlaken, die wir vor die Fenster gehängt hatten waren maximal ein Sichtschutz, aber keinesfalls ein guter Sonnenschutz. Aber das macht nichts. Hätte uns nicht die Sonne geweckt, wären wir wahrscheinlich in Auto erfroren. Meine Nase war zumindest ein einziger Eisblock.
Als wir dann aus dem Auto krochen und uns die Augen rieben mussten wir feststellen, dass die Aussicht bei Sonnenaufgang noch um Längen besser ist als im Twilight. Jetzt konnten wir sogar erkennen, das firekt gegenüber von uns eine Insel war. Sie ist wirklich sehr, sehr klein. Wir haben uns gefragt, ob da wohl jemals schon jemand hingeschwommen ist? War überhaupt schon mal jemand da? Schlaue Antworten sind ausdrücklich erwünscht.
Frühstückszeit: Unser super Gaskocher hat uns trotz des Windes nicht im Stich gelassen. Es hat zwar schon ne Weile gedauert, bis wir rausgefunden hatten, wie unser „bei Wind und Wetter und auch im Sturm oder Orkan Gaskocher“ richtig funktioniert, aber dafür tat er dies dann umso besser. Somit mussten wir nie auf unseren morgendlichen Kaffee verzichten und konnten den tollen Ausblick richtig genießen.
Es ist uns ziemlich schwer gefallen uns wieder auf den Weg zu machen. Der Strand sah so schön und vor allen Dingen menschenleer aus. Aber das Ziel für diesen Tag hieß Esperance bzw. ein geeigneter, nach Möglichkeit kostenloser Schlafplatz in der näheren Umgebung. In diesem Sinne: Segel setzen und losrudern.
Der Weg von Cape Richie nach Esperance führt leider größtenteils nicht wirklich am Wasser vorbei aber dafür ziemlich dicht am Fitzgerald River National Park. Da wir doch einwenig unter Zeitdruck waren quittierten wir dieses mit einem Kopfnicken und freuten uns darüber, dass von Zeit zu Zeit ein Känguruh neben unserem Auto herhüpfte. Ein Umstand, den wir erst einige Tage später zu schätzen lernten als wir in der Nullabor Plain wesentlich mehr tote als lebendige Känguruhs zu sehen bekamen.
Wir erreichten Esperance am frühen Nachmittag und die Hauptstraße trug uns direkt ans Wasser und den Observatory Point. Höchste Zeit um den knurrenden Magen zur Ruhe zu stellen. Da weit und breit kein Imbiss zu sehen war, mussten wir also selber für Nahrung sorgen. Auto auf den Parkplatz gestellt, Gaskocher angeschmissen und auf die Schnelle ne akkurate Tuna Pasta an den Start gebracht.
Während wir also unseren Lunch genießen blicken wir hinaus aufs Meer und lassen uns eine steife Brise um die Ohren wehen. Herrlich. Die Zeit verging extrem schnell und erst bei einsetzender Dämmerung wurde uns klar, dass wir noch keinen Schlafplatz für die Nacht gefunden hatten.
Nach einem Blick in die Karte war ziemlich schnell klar: Cape Le Grand im Recherche Archipelago Nature Resort - dort oder nirgendwo. Wir saßen keine fünf Minuten im Auto als es wieder wie aus Kübeln anfing zu regnen und mit jeder Minute wurde die Sicht schlechter und die Straße leerer: "Prima, dann haben wir das Cape ja ganz für uns alleine!"
Als wir das Nature Resort erreichten waren wir zunächst ziemlich verunsicher. Wir standen vor einem Wachhäuschen und einer Schranke, welche jedoch geöffnet war. Ein großes Schild wies uns darauf hin, dass wir pro Person, PKW und Tag eine bestimmte Summe zu entrichten hätten. Ich machte mich auf um mit dem Personal zu sprechen, stellte aber zu meiner Verwunderung fest, dass niemand in dem Häuschen saß. Stattdessen fand ich ein weiters Schild, dass mich darüber aufklärte, ich hätte den entsprechenden Betrag in einen Umschlag zu packen und diesen in einen Kasten zu stecken, welcher vor lauter Umschlägen fast aus allen Nähten platzte. Interessantes System, aber warum nicht.
Die Straße führte uns dann auf einen Campingplatz direkt am Meer. Dieser Campingplatz war vom Feinsten ausgestattet: Küche mit Kochgelegenheit, Duschen und WC und Stellplatz für Autos und Zelte. Das Beste war jedoch: Er war menschenleer!! Wr hatten einige weifel, ob wir an diesem Platz bleiben sollten (wer würde uns zur Hilfe kommen falls irgenein Schlächter nur auf uns wartet), aber aus Mangel an Alternativen (die Hauptstraße war gute 20min Autofahrt entfernt und es war schon fast dunkel) haben wir uns dann auf diesem verlassenen Campingplatz einen wunderschönen Abend gemacht und sind wiedereinmal mit dem Meeresrauschen in den Ohren weggedöst...
Übrigens: Der Schlächter hat sich in der Nacht nicht gezeigt.
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