Adelaide
Heute versucht Florian Kuhlmey, unseren Reisemuffel Bernhard Bleibzuhaus zu einer Reise nach Adelaide, der Hauptstadt des australischen Bundesstaates South Australia, zu bewegen.
Bernhard: Warum sollte ich denn ausgerechnet nach Adelaide fahren?
Florian: Man kann Adelaide nicht gerade als die bekannteste Großstadt Australiens bezeichnen. Hinter Millionenstädten wie Sydney und Melbourne aber selbst hinter Brisbane und Perth verblasst diese fünftgrößte Stadt des Kontinents ein wenig. Dabei hat Adelaide ihren Besuchern allerhand zu bieten. Angefangen von der quirligen Innenstadt, die ein reichhaltiges Kunst- und Kulturprogramm für ihre Besucher bereit hält, über den schmucken Badeort Glenelg, der seine Besucher zum längeren Verweilen einlädt, bis hin zum Adelaider Hinterland, wo man immer noch auf die Spuren der vielen deutschen Einwanderer nach South Australia stößt. All dies macht Adelaide zu einem attraktiven Reiseziel.
Bernhard: Wie komme ich denn überhaupt dorthin?
Florian: Von Norden (Ayers Rock) oder Westen (Western Australia/Perth) kommend landet man zwangsläufig in Port Augusta. Von dort aus führt der Princess Highway (A1) geradewegs nach Adelaide. Beginnt man seine Fahrt in Melbourne, so kann man entweder den direkten Weg über den Western bzw. Dukes Highway (A8) nehmen und erreicht Adelaide in etwa acht Stunden oder man entscheidet sich für die längere aber ungleich schönere südliche Route. Diese verläuft über die Great Ocean Road (B100) und den Princess Highway (A1). Von Sydney oder Canberra aus gibt es mehrere Möglichkeiten, nach Adelaide zu gelangen. Die einfachste und zugleich wohl auch reizvollste Variante ist der Sturt Highway (A20), welcher Sie direkt an dem sehenswerten Murray River vorbeiführt. Die Fahrzeit hier beträgt je nach Dauer der Zwischenstopps etwa zwei bis drei Tage.
Bernhard: Was gibt es denn da nun genau zu sehen?
Florian: Adelaide ist die Hauptstadt des Bundesstaates South Australia. Dieser ist heute noch stolz auf seine Vergangenheit als ausnahmslos freie Siedler, d. h. keine Sträflinge, hierher kamen und sich niederließen. Fast alle diese Siedler stammten aus Europa. Viele von ihnen verließen ihre alte Heimat, da sie sich dort politischer oder religiöser Unterdrückung ausgesetzt sahen. Aus diesem Grund emigrierten auch viele Deutsche nach South Australia und prägten das Gesicht des australischen Bundesstaates. Im heutigen South Australia leben etwa 1,5 Millionen Menschen, die überwältigende Mehrheit (ca. 1 Millionen) in der Hauptstadt Adelaide. Sie alle haben die Stadt zu einer bedeutenen Kulturmetropole im sonst eher öden South Australia geformt. Alle zwei Jahre (gerade Jahreszahlen) im März und April findet hier das Adelaide Festival statt, bei dem zahlreiche nationale und internationale Künstler auftreten bzw. dem Publikum ihre Werke darbieten. Voller Stolz bezeichnet sich Adelaide deshalb auch als „The Festival City".
Bernhard: Und was ist wenn kein Festival stattfindet?
Florian: Auch in der restlichen Zeit hat Adelaide viel zu bieten, soviel, dass eine Aufzählung aller Sehenswürdigkeiten sicher den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. An dieser Stelle sollen daher nur die größten, bekanntesten und empfehlenswertesten Attraktionen vorgestellt werden. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an eine der vielen Touristen Informationen wie etwa das South Australia Visitor and Travel Centre, welches sich an der Ecke King William Street/North Terrace befindet. All diese Touristen Information liegen ausnahmslos in der Innenstadt Adelaides. Besuchern fällt die Orientierung in dieser relativ leicht, ist sie doch sehr überschaubar. Alle Straßen verlaufen rechtwinklig zueinander und die Innenstadt ist durch zahlreiche Parks, die sie umgeben, klar abgegrenzt von der restlichen Stadt. Das Herz der City bildet der Victoria Square, welcher ebenfalls als Zentrum des öffentlichen Nahverkehrs fungiert. Unmittelbar daneben befindet sich der Central Market, wo Sie gut und günstig Lebensmittel einkaufen können. Der Einfluss deutscher Einwanderer ist hier übrigens noch stark spürbar, so dass Sie hier gut schmeckende Dinge wie knackige Wiener Würstchen oder leckeres Vollkornbrot bekommen, welche Sie im übrigen Australien vergeblich suchen. Verlassen Sie den Victoria Square nun in nördlicher Richtung auf der King William Street. Schon bald zweigt rechts von dieser die Rundle Mall ab, die Einkaufstraße Nummer eins in Adelaide. Ganz untypisch für australische Verhältnisse ist die Rundle Mall sogar eine Fußgängerzone. An das Ende dieser schließt sich die Rundle Street an, wo sich zahlreiche internationale Cafés, Restaurants und Bars angesiedelt haben. Sollten Sie während Ihres Aufenthalts in Adelaide einmal abends ausgehen wollen, dann ist die Rundle Street zweifellos der geeignete Ort dafür. Zurück auf der King William Street erreichen Sie als nächste Querstrasse in nördlicher Richtung die North Terrace. An der North Terrace befinden sich fast alle Sehenswürdigkeiten Adelaides. Beginnen wir mit der linken (westlichen) Seite. Dort steht das eindrucksvolle Festival Centre, die Railway Station mit angeschlossenem Casino und das Parliament House. Durch das Parlament werden zweimal täglich (10.00 und 14.00 Uhr) Führungen angeboten, bei denen man etwas über die politische Geschichte South Australias erfährt. Architektonisch gesehen ist das Gebäude allerdings eher unspektakulär, wenn man es etwa mit den Parlamentsgebäuden in Canberra und Melbourne vergleicht. Aus diesem Grund können Sie auch getrost von einem Rundgang durch das Parliament House absehen. Umrunden Sie stattdessen lieber die großen Gebäude an der westlichen Seite der North Terrace. Auf deren Rückseite fühlen Sie sich praktisch in eine andere Welt versetzt. Statt im Großstadttrouble auf der Vorderseite befinden Sie sich nun in einem der vielen Parks, welche die City umgeben. Idyllisch fließt der Tarrens River an Ihnen vorbei, den Sie sogar auf einem gemieteten Tretboot befahren können. Auch Fahrräder können Sie sich an dieser Stelle ausleihen und gemütlich durch die weitläufige Parklandschaft radeln. Sollte es Sie allerdings wieder zurück in die Großstadt ziehen, so laufen Sie doch weiter auf der östlichen Seite der North Terrace. Hier passieren Sie als erstes das Government House, das jedoch nicht besichtigt werden kann. Kurz dahinter folgen Sie am Besten dem Wegweiser zu dem etwas abseits gelegenen Migration Museum. Dieses unscheinbare Museum sollten Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen. Das Museum beherbergt eine hervorragend gemachte und sehr informative Ausstellung zur Einwanderungsgeschichte South Australias. Dabei wird gerade auch die Geschichte der deutschen Immigration beleuchtet mit all den Erfolgen, welche die Neuankömmlinge verzeichnen konnten, aber auch den Repressalien, welchen sie sich in Kriegszeiten ausgesetzt sahen. Ebenfalls in der Ausstellung thematisiert wird das rücksichtslose Verhalten der Siedler gegenüber den Ureinwohnern Australiens. Selbst für eine Debatte zur aktuellen australischen Einwanderungspolitik findet sich Platz im Migration Museum. Wieder auf der North Terrace bemerkt man unweigerlich den starken Einfluss britischer Einwanderer in South Australia. Die nun folgenden Sandsteingebäude, namentlich die Library of South Australia, das South Australian Museum, die Art Gallery und die University of South Australia, erinnern stark an die reich verzierten Gebäude der englischen Universitätsstädte Oxford und Cambridge. Schon aus diesem Grund sollte man diese Strecke entlanggehen und gelegentlich auch einen Abstecher ins Innere der Gebäude unternehmen. Das South Australian Museum beispielsweise beinhaltet eine interessante Ausstellung zur Naturgeschichte Australiens. Adelaide ist aber nicht nur die North Terrace. Auch abseits dieser Prachtstrasse trifft man auf Sehenswertes. Nordöstlich der North Terrace liegen etwa die Adelaide Zoological Gardens, die Botanic Gardens und das National Wine Centre of Australia, das eine informative Ausstellung über den Traubensaft enthält, der zu einem guten Teil verantwortlich für den derzeitigen Wohlstand South Australias ist. Südlich der Rundle Street verläuft die Grenfell Street, an derem äußersten Ende das Tandanya - National Aboriginal Cultural Institute angesiedelt ist. Dies gilt mit seiner einzigartigen Ausstellung zur Geschichte und Kultur der Ureinwohner, seinen zahlreichen außergewöhnlichen Darbietungen und schließlich seinem umfangreichen Shop als eines der besten Aboriginal Centre des Landes.
Bernhard: Gibt es denn auch außerhalb der City etwas zu sehen?
Florian: Sollten Sie Ihren Rundgang durch die City abgeschlossen haben, dann begeben Sie sich doch einfach zurück zum Victoria Square. Hier beginnt nämlich die legendäre City-to-Bay Tram, eine siebzig Jahre alte Straßenbahn, die Sie in knapp einer halben Stunde nach Glenelg bringt. In Glenelg angekommen, vergessen Sie auf der Stelle, dass Sie sich eben noch durch die engen Straßenschluchten der Großstadt gezwängt haben. Denn Glenelg ist anders als die hektische Großstadt, anders aber auch als die üblichen, eher langweiligen, australischen Vororte. Vielmehr erinnert Glenelg mehr an einen entspannten Urlaubsort. Geben auch Sie sich dem Urlaubsfeeling hin, indem Sie sich an den weitläufigen Sandstrand begeben oder einen kleinen Spaziergang entlang der eleganten Strandpromenade machen. Am nördlichen Ende der Promenade befindet sich dann etwas versteckt der Hafen von Glenelg. An diesem liegt der so genannte Marina Pier, an dem Sie auf hervorragende Cafés und Fischrestaurants stoßen werden. Vom Hafen aus starten im Übrigen auch zahlreiche Bootstouren wie etwa die populäre Tour „Swim with the Dolphins". Wer sich für diesen zugegebenermaßen recht kostspieligen Trip entscheidet, sollte jedoch im Vorfeld gewarnt sein. Der Veranstalter übernimmt keine Garantie dafür, dass Sie tatsächlich Delfine aus der Nähe sehen geschweige denn mit ihnen schwimmen können. Wenn Ihnen Glenelg nicht zusagt, weil Sie einfach nicht so sehr der „Meertyp" sind, dann begeben Sie sich doch einfach in die Berge, genauer gesagt in die Adelaide Hills südöstlich der Stadt. Hier können Sie bis zur Spitze des 727 Meter hohen Mt. Lofty fahren, von dem aus Sie einen herrlichen Rundblick auf ganz Adelaide haben. Allerdings kann die schöne Aussicht etwas getrübt werden, wenn Sie am späten Nachmittag von der untergehenden Sonne geblendet werden. Starke Windböen können gleichfalls ein Problem sein auf dem ungeschützten Gipfel. Ein kleines Stück hinter dem Mt. Lofty und ebenfalls noch Teil der „Hills" ist eine Stadt, die wohl in keinem deutschsprachigen Reiseführer über Australien fehlt - Hahndorf. Dies liegt schlicht und ergreifend daran, dass Hahndorf sich selbst als die „deutscheste" Stadt Australiens begreift. Was genau das zu bedeuten hat, wird einem bereits unmittelbar nach Betreten des Ortes bewusst. Von allen Seiten wird man mit bayrischer Blasmusik beschallt und Frauen im Dirndl versuchen einen, zu einer „Weißwurst" oder einem „Weizenbier" in ihrem Restaurant zu überreden. Dass die ursprünglichen deutschen Einwanderer, die Hahndorf 1839 gründeten, preußische Glaubensflüchtlinge aus Schlesien und Pommern waren und mit solch bayrischen Traditionen überhaupt nichts gemein hatten, stört heute keinen mehr. Vielmehr ist ganz Hahndorf heute eine große Show; ein Spektakel, das vor allem deutsche Touristen in den Ort locken soll. Mit Erfolg! Scharenweise kommen die Deutschen in das Dorf und kaufen sich auf der Suche nach einem Stück der fernen Heimat solch vertraut klingende Produkte wie „Bienenstich" oder „Mettwurst". Nachdem Sie die überteuerten Preise bezahlt haben, müssen sie dann zumeist enttäuscht feststellen: „Das hätte ich zu Hause aber besser und billiger haben können." Und obwohl ich das jetzt sage, und obwohl ich Ihnen aus diesem Grund von einer Fahrt nach Hahndorf eher abrate, weiß ich, dass auch Sie der Versuchung erliegen und Hahndorf einen Besuch abstatten werden. Sind Sie jedoch an einem eher authentischen Stück deutscher Vergangenheit in South Australia interessiert, dann begeben Sie sich doch ins Barossa Valley, welches ca. 55 km nordöstlich von Adelaide liegt. Fahren Sie hierzu einfach auf dem Sturt Highway (20) entweder bis Gawler im Süden oder Nuriootpa im Norden des Barossa Valleys. Von diesen Orten aus können Sie dann Ihre Tour über den Barossa Valley Way einmal quer durch das Tal starten. Zwischendurch sollten Sie allerdings zwei kleine Abstecher nach Seppeltsfield und nach Bethany bzw. zum Mengler Hill machen, von dem aus Sie einen schönen Rundblick über die Region haben. Auch in Tanunda können Sie anhalten und sich im dortigen Visitor Centre über die Sehenswürdigkeiten des Tals informieren. Doch was gibt es überhaupt im Barossa Valley zu sehen? Die Antwort darauf ist: Es gibt eine Menge zu sehen, aber noch mehr gibt es zu trinken, denn das Barossa Valley ist die größte und erfolgreichste Weinregion Australiens. Ein Viertel aller australischen Exportweine werden hier von über fünfzig verschiedenen Weingütern produziert. Und sie alle verdienen offensichtlich gut daran, wenn man sich die prächtigen Herrenhäuser auf den einzelnen Weingütern anschaut. Viele Vorfahren der heutigen Bewohner waren ebenfalls preußische Glaubensflüchtlinge, so dass Sie im Barossa Valley auf Familiennamen wie „Seppelt" und Kirchennamen wie „Gnadenfrei" stoßen werden und deutsch angehauchte Produkte in „Sigi's Bakehouse" und im „Wurst House" kaufen können. Die Weine im Barossa Valley sind hingegen ganz und gar australisch, d. h. sie sind wesentlich würziger und gehaltvoller (mindestens 12 % Alkoholgehalt) als europäische Weine. Dieser Tatsache sollten Sie sich bewusst sein, wenn Sie im Barossa Valley von einer Weinverköstigung („Wine Tasting") zur nächsten eilen. Zum Abschluss noch drei Insidertipps zum Barossa Valley: Erstens wenn Sie an ganz frischen Weinen interessiert sind, dann sollten Sie sich im Spätsommer ins Barossa Valley begeben. In den Monaten Januar bis April (hauptsächlich Februar und März) ist nämlich Erntezeit, was auch für Backpacker auf Jobsuche eine gute Reisezeit seien könnte. Zweitens beginnen Sie Ihren Tagesausflug ins Barossa Valley nicht zu spät. Ausnahmslos alle Weingüter schließen bereits um 17.00 Uhr, so dass Sie ansonsten vor verschlossenen Türen stünden. Drittens falls Sie sich nicht auf einen Fahrer für Ihren Ausflug ins Barossa Valley einigen können, dann nehmen Sie doch einfach an einer der vielen Tagestouren von Adelaide aus teil. Diese kosten etwa 70,00 Dollar.
Bernhard: Und was kostet mich der ganze Spaß?
Florian: Die Führung durch das Parliament House ist kostenlos. Sie zahlen ebenfalls keinen Eintritt beim Betreten des Migration Museum, des South Australian Museum, des National Wine Centre of Australia und der Botanic Gardens. Zahlen müssen Sie hingegen für die Adelaide Zoological Gardens und für das Tandanya - National Aboriginal Cultural Institute. Beim Zoo beträgt der Eintrittspreis 15,00 (9,00) Dollar, beim Aboriginal Centre 4,00 (3,00) Dollar. Für die Bootstour „Swim with the Dolphins" von Glenelg aus müssen Sie die horrende Summe von 98,00 (88,00) Dollar ausgeben. Die Wine Tasting Tour durch das Barossa Valley bezahlen Sie dagegen nur mit dem Kater am nächsten Morgen.
Bernhard: Muss ich da etwa auch noch übernachten?
Florian: Um das oben beschriebene Besichtigungsprogramm bewältigen zu können, sollte man drei Tage einplanen, wobei deren Ablauf etwa so aussehen könnte: 1. Tag - die City von Adelaide, 2. Tag - vormittags Adelaide Hills/nachmittags Glenelg, 3. Tag - Barossa Valley. Eine solche Aufteilung würde es Ihnen erlauben, an verschiedenen Orten zu übernachten, was Sie aber bei den geringen Entfernungen nicht unbedingt müssen. Auf jeden Fall bietet Adelaide und seine Umgebung genügend Unterkunftsmöglichkeiten in allen Preiskategorien. Es gibt auch erstaunlich viele Campingplätze in und um Adelaide. Ganze 19 Caravan Parks stehen Ihnen mit zum Teil sehr preiswerten Angeboten zur Auswahl.
Bernhard: Na gut! Hört sich ganz akzeptabel an.
Florian: Adelaide ist definitiv eine Reise wert. Gerade in dem eher öden und gering bevölkerten Bundesstaat South Australia wirkt diese Kulturmetropole wie ein Licht in der Dunkelheit.
Florian Kuhlmey

Australien